Nul aus der Rein

Nul aus der Rein

Mundartlich geht es auf dem nudlholz gerade hoch her (ihr erinnert euch an die Schwoazbeerdatschi?). Aber bei den Nul geht es uns begriffstechnisch ähnlich. Heute dreht sich alles um eine Mehlspeise, die in ganz Österreich unter verschiedenen Namen verbreitet ist und ihren Ursprung eigentlich im benachbarten Böhmen hat – im Innviertel sind es jedenfalls Nul. Vielleicht kennt ihr sie eher unter einem ihrer anderen Namen, wie Buchtel, Wuchtel, Rohrnudel oder Ofennudel? Nul kommen in der Küche meiner Oma   (bestimmt auch im restlichen Innviertel) oft, ja ganz oft sogar auf den Tisch – meistens werden im selben Zug auch Zedln gebacken (wieder so ein Wort) um daraus das Knödelbrot zu schneiden. Manchmal gibt’s die Nul mit süßer Füllung wie Marillenmarmelade, Zwetschken oder Schwarzbeeren, ab und zu auch ohne fruchtiges Innenleben, dafür mit Vanillesauce.

Nul aus der Rein

Sie sind auf jeden Fall ein Gericht mit Tradition, eine kleine süße Offenbarung, die nach Kindheit schmeckt und auf jeden Fall ganz einfach gemacht sind. Den Nul zugrunde liegt ein einfacher Germteig, der ordentlich geknetet und ausgerastet zu den kleinen oder auch größeren Bällchen geformt wird und anschließend in einer Rein gebacken wird. In einer gut gebutterte Rein versteht sich, denn nur so entsteht der allseits beliebte knusprige Boden der Nul. Diese Kruste entsteht aber nur, wenn man die fertig gebackenen Köstlichkeiten à la minute aus der Form stürzt und mit der Unterseite nach oben liegen und etwas auskühlen lässt. Aber nur ein bisschen auskühlen lassen, weil sie natürlich lauwarm am allerbesten schmecken.

Und noch ein wichtiger Tipp von Oma: Beim Backen die ersten 15 Minuten nur Unterhitze verwenden und erst anschließend auf Ober-/Unterhitze umschalten – so werden sie nochmal extra knusprig!

Nul aus der Rein

Bei uns gibt heute Nul mit Zwetschken von Oma’s Baum und nach ihrem Rezept, versteht sich.

Zutaten für 12 Nul in der Rein (mit Zwetschken)

500 gr. Mehl
1/2 Würfel Germ
1 EL Zucker
250 ml Milch
2 Eier
1 Prise Salz

12 große Zwetschken

Butter und Butterschmalz für die Form

Zubereitung:

  1. Etwas lauwarme Milch mit 1 EL Zucker verrühren und den Germ darin auflösen.
  2. Mehl, Germgemisch, Milch, Eier und eine Prise Salz zu einem glatten Teig verkneten. Diesen abgedeckt ca. 1 h gehen lassen.
  3. Großzügig Butter und Butterschmalz in einer Rein schmelzen. Backrohr vorheizen (Unterhitze 180°)
  4. Die Zwetschken entkernen und den Teig in 12 gleich große Portionen teilen.
  5. Jedes Teigstück mit einer Zwetschke füllen und etwas im flüssigen Fett der Rein wenden und anschließend platzieren. Die Nul dürfen nun nochmal ca. 20 Minuten gehen.
  6. Die ersten 15 Minuten ausschließlich bei Unterhitze backen, dann auf Ober-/Unterhitze umschalten (180°) und weitere 15 Minuten fertigbacken.
  7. Nul aus der Form stürzen, kurz abkühlen lassen und mit Staubzucker bestreut genießen.

Variante: Statt die Nul mit den Zwetschken zu füllen, kann man die halbierten Früchte auch ins Fett in der Rein legen und die Germteigkugeln darauf betten. Schmeckt anders, aber auch sehr gut!

Nul aus der Rein

Für die Zedln, die anschließend zu Knödelbrot verarbeitet werden, macht man übrigens den selben Teig, er wird nur etwas anders aufgearbeitet. Der Teig wird ebenfalls in gleichgroße Portionen aufgeteilt und rundgeschliffen. Nach dem Gehen lassen der geformten Zedln (auch in etwa 20 Minuten) werden sie auf einem Backblech (ohne Fett!) bei 180° ebenfalls eine halbe Stunde gebacken. Am nächsten Tag werden sie zuerst in Scheiben und dann in Würfel geschnitten und fertig ist das selbstgemachte Knödelbrot.

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